Stalins gescheiterte Inszenierung: Wie Nürnberg die Sowjetmacht überraschte

Stalins gescheiterte Inszenierung: Wie Nürnberg die Sowjetmacht überraschte
1945 trieb die Sowjetunion eine internationale Gerichtsverhandlung voran, um die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes zur Rechenschaft zu ziehen. Doch hinter den Kulissen sah Stalin in den Nürnberger Prozessen keineswegs ein faires juristisches Verfahren, sondern eine inszenierte Schau. Die sowjetische Delegation unter der Führung von Andrei Wyschinski – einer Schlüsselfigur in Stalins Massenrepression – stand unerwartet vor Herausforderungen, als die Verhandlungen ihren eigenen Lauf nahmen.
Die sowjetische Führung hatte klare Erwartungen an Nürnberg. Die Funktionäre wollten, dass das Tribunal die sowjetische Geschichtsschreibung stützte, darunter die Schuldzuweisung an die Deutschen für das Massaker von Katyn – ein Verbrechen, das sich später als sowjetische Tat herausstellte. Das Gericht wies diesen Vorwurf zurück und lehnte es ab, ihn in das Endurteil aufzunehmen.
Die Nürnberger Prozesse verliefen anders, als Stalin es geplant hatte. Rechtliche Grundsätze setzten sich gegen politische Inszenierung durch, sodass sowjetische Vertreter den Ausgang nicht wie beabsichtigt beeinflussen konnten. Bis heute prägt das Erbe dieser Prozesse – und das Fehlen einer vergleichbaren Aufarbeitung in Russland – das historische Gedächtnis und die juristische Verantwortung.

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