Wie Deutschlands Industrie dank Zollverein und Innovation zur Weltmacht aufstieg
Lotta SchneiderWie Deutschlands Industrie dank Zollverein und Innovation zur Weltmacht aufstieg
Deutschlands industrieller Aufstieg begann später als in anderen europäischen Nationen, doch schließlich verwandelte er die Wirtschaft des Landes. Jahrzehntelang kämpfte Deutschland mit regionalen Spaltungen und dem Fehlen einer einheitlichen Handelspolitik. Erst nach 1871 gewann die Industrie an Fahrt – befördert durch Bildung, Innovation und ein berühmtes Handelsabkommen.
Die industrielle Revolution in Deutschland setzte etwa 1840 ein, rund ein halbes Jahrhundert nach der britischen. Anfangs stützte sich der Fortschritt teilweise auf die Nachahmung britischer Methoden – mitunter sogar durch Industriespionage. Doch das Land begnügte sich nicht damit, Ideen zu kopieren; es passte fremde Technologien an und entwickelte sie weiter.
Eine Schlüsselfigur dieses Wandels waren die Brüder Carl und Wilhelm Wendelstein. 1817 reisten sie nach England, um in Sheffield und Manchester die Stahlproduktion und Dampfmaschinen zu studieren. Nach ihrer Rückkehr gründeten sie in Deutschland eigene Eisenwerke und verbreiteten ihr neu erworbenes Wissen. Vor 1871 bremste die politische Zersplitterung das industrielle Wachstum. Der Deutsche Zollverein, 1834 gegründet, änderte dies, indem er stabile Handelsregeln zwischen den Regionen schuf. Bayern, das letzte Bundesland, das sich industrialisierte, erlebte erst nach dem Zweiten Weltkrieg einen wirtschaftlichen Aufschwung – befeuert durch den Zuzug von Flüchtlingen. Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 und ein starkes technisches Bildungssystem beschleunigten die Entwicklung zusätzlich. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Deutschland zur führenden Industrienation aufgestiegen.
Das Siegel «Made in Germany», ursprünglich von England eingeführt, um vor billigen Importen zu warnen, entwickelte sich später zu einem Qualitätsmerkmal – auch wenn sein Ruf inzwischen durch mangelnden rechtlichen Schutz gelitten hat.
Deutschlands industrieller Erfolg beruhte auf einer Mischung aus übernommenem Wissen, Innovation und politischer Einheit. Der Zollverein und später das Kaiserreich schufen die nötige Stabilität für das Wachstum. Heute ist das «Made in Germany»-Label zwar noch bekannt, doch ohne strenge Vorschriften zur Einhaltung der Standards hat sein Ansehen nachgelassen.