Weilheimer kämpfen um ihr Bargeld – doch die Automaten verschwinden
Lokale Initiative in Weilheim kämpft um den Erhalt von Bargeld. In Weilheim in Oberbayern formiert sich Widerstand gegen das schwindende Netz an Geldautomaten: Die Bürgerinitiative "Weilheim zahlt bar" warnt davor, dass Bargeld in der Region bald ganz verschwinden könnte. Deutschlandweit geht die Zahl der Automaten seit Jahren zurück. Die Sparkasse Oberland hingegen betont, ihre eigene Anzahl an Geldautomaten seit 2020 stabil gehalten zu haben – trotz bundesweiter Kürzungen.
Zwischen 2020 und 2025 schrumpfte die Zahl der Geldautomaten in Weilheim um etwa ein Viertel: von rund 45 auf 35 Geräte. Dies entspricht dem bundesweiten Trend, wo die Anzahl im selben Zeitraum um 25 bis 30 Prozent sank – von etwa 48.000 auf 34.000 Automaten. Gründe sind der Rückgang von Bankfilialen und die zunehmende Verbreitung digitaler Zahlungsmethoden. Auch in Nachbarstädten wie Bad Tölz und Rosenheim gab es ähnliche Rückgänge, wobei ländliche Regionen stärker betroffen sind als Großstädte wie München, wo nichtbankliche Anbieter die Verluste teilweise ausglichen.
Die lokalen Aktivisten Gaby Kerscher und Klaus Hick von "Weilheim zahlt bar" sehen das Bargeld in der Defensive. Sie werfen Unternehmen und Banken vor, digitale Zahlungen zu fördern und damit diejenigen zu benachteiligen, die auf Bargeld angewiesen sind. In Weilheim akzeptieren einige Geschäfte weiterhin nur Bargeld, während andere komplett auf digitale Bezahlung umgestellt haben – eine Spaltung, die die Stadt prägt.
Datenschutzbedenken bei Kartenzahlungen weisen Experten zurück. Transaktionen seien sicher, es gebe keine Hinweise darauf, dass Banken oder Dritte Kaufverhalten analysierten, erklärt Stefan Stets, Fachmann für Kartenzahlungen. Zudem bleibe die Wahl der Zahlungsmethode den Kunden überlassen – Bargeld sei weiterhin gesetzlich anerkannt. Die Sparkasse Oberland als öffentliche Bank sei zudem an deutsches Recht gebunden, einschließlich der Einhaltung verfassungsmäßiger Rechte und demokratischer Werte.
Die Debatte hat längst auch die Politik erreicht. Die AfD nutzt die Ängste um das Bargeld in Wahlkämpfen und findet dabei Unterstützung bei einigen lokalen Händlern. Verbraucher- und Sozialverbände fordern nun Gesetze, die das Recht auf Barzahlung verbindlich sichern sollen.
Der Rückgang der Geldautomaten spiegelt den generellen Wandel hin zu digitalen Zahlungsmitteln wider. Doch der lokale Widerstand bleibt hartnäckig. Zwar hat die Sparkasse Oberland ihr Automatennetz unverändert gelassen, doch Aktivisten und Teile der Wirtschaft pochen weiter auf den Schutz des Bargelds. Ob gesetzliche Garantien für Barzahlungen die Zukunft des Bezahlens in Deutschland prägen werden, bleibt abzuwarten.