Überparteiliche Allianz fordert mehr Geld für Entwicklungshilfe als Sicherheitsstrategie
Mia KochUngewöhnliche Allianz fordert mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit - Überparteiliche Allianz fordert mehr Geld für Entwicklungshilfe als Sicherheitsstrategie
Eine überparteiliche Allianz drängt darauf, dass Deutschland sein Budget für Entwicklungshilfe aufstockt. Zu der Gruppe gehören Spitzenpolitiker von CDU, CSU und SPD sowie führende Wirtschaftswissenschaftler. Ihr Appell kommt zu einer Zeit, in der die Sorgen über jüngste Kürzungen der Mittel und die damit verbundenen sicherheitspolitischen Risiken einer Unterfinanzierung wachsen.
Im Mittelpunkt der Debatte steht ein neues Positionspapier, das warnt, dass sinkende Ausgaben für Entwicklungshilfe Deutschlands globalen Einfluss schwächen könnten. Das Papier argumentiert, dass Entwicklungspolitik, Diplomatie und Verteidigung zusammenwirken müssen, um Krisen zu verhindern, bevor sie eskalieren.
Die Allianz vereint dabei ungewöhnliche Partner: die ehemalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), den früheren Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und den Ökonomen Moritz Schularick. Sie betonen, dass "Sicherheit mehr bedeutet als nur Waffen" und dass Deutschlands Ruf als verlässlicher Geber ein zentraler strategischer Trumpf sei. Auch CDU-Chef Friedrich Merz unterstützt die Forderung nach höheren Mitteln.
Ihre Bedenken kommen nach Jahren schwankender Haushalte. Deutschlands Entwicklungshilfe stieg von 10,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf rund 14,2 Milliarden Euro im Jahr 2025 – mit deutlichen Erhöhungen für Afrika, den Nahen Osten und die Ukraine nach Russlands Invasion 2022. Doch am stärksten gewachsen sind die Mittel für fragile Staaten und Klimaprojekte, was sich veränderte Prioritäten widerspiegelt.
Die amtierende Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) unterstützt die Kernbotschaft des Papiers. Sie argumentiert: "Sicherheit entsteht dort, wo Krisen verhindert werden – durch Entwicklung, stabile Institutionen und Partnerschaften." Das Papier selbst warnt, dass weitere Kürzungen Deutschland im Vergleich zu anderen globalen Akteuren in einer zunehmend instabilen Welt ins Hintertreffen bringen könnten.
Müller, der früher für den Entwicklungshaushalt verantwortlich war, hat die jüngsten Kürzungen wiederholt kritisiert. Er betont, dass eine Unterfinanzierung der Hilfe heute später zu größeren Sicherheitsrisiken führen könnte, wenn sich Instabilität in gefährdeten Regionen ausbreitet.
Die Vorschläge der Allianz unterstreichen einen wachsenden Konsens, Entwicklungshilfe als sicherheitspolitische Priorität zu behandeln. Würden ihre Empfehlungen umgesetzt, könnten die jüngsten Haushaltskürzungen rückgängig gemacht und Deutschlands Rolle in der Krisenprävention gestärkt werden. Die nächsten Schritte hängen davon ab, ob die Abgeordneten die Argumentation akzeptieren, dass Entwicklungshilfe nicht nur humanitär, sondern auch eine strategische Notwendigkeit ist.