Siemens in der Kritik: Investoren zweifeln an KI-Strategie und teuren Übernahmen
Mia KochSiemens in der Kritik: Investoren zweifeln an KI-Strategie und teuren Übernahmen
Siemens erntet scharfe Kritik von Großinvestoren auf Hauptversammlung in München
Auf der jüngsten Hauptversammlung in München sah sich Siemens mit harter Kritik wichtiger Anleger konfrontiert. Fondsmanager hinterfragten die KI-Strategie des Konzerns, teure Übernahmen sowie die verzögerte Abspaltung der Medizintechniktochter Siemens Healthineers. Trotz der Vorwürfe erreichte der Aktienkurs in diesem Jahr jedoch Rekordhöhen.
Arne Rautenberg von Union Investment forderte auf der Versammlung konkretere Ergebnisse aus den KI-Bemühungen des Unternehmens. "Wir wollen keine Visionen mehr kaufen – wir wollen echte Wirkung sehen", erklärte er. Seine Frustration spiegelte die allgemeine Skepsis wider, dass sich die Investitionen in künstliche Intelligenz nur langsam in Gewinne umwandeln lassen.
Ingo Speich von Deka pflichtete dieser Einschätzung bei und warnte, dass die KI-Initiativen bisher kaum Einfluss auf die Gewinnmargen von Siemens hätten. Gleichzeitig mahnte er CEO Roland Busch zu mehr Zurückhaltung bei den Ausgaben und verwies auf die 16-Milliarden-Dollar-Übernahmen von Altair und Dotmatics. "Verschwenden Sie nicht zu viel Geld", betonte Speich und sprach von einer Rückkehr zu alten Fehlern. Zudem warnte er, eine mögliche KI-Blase könnte dem Konzern schaden, falls sie platze.
Kritik gab es auch an der seit Langem verschleppten Abspaltung von Healthineers. Rautenberg bezeichnete den Prozess als "schlampige Arbeit" und monierte, dass das Vertrauen der Anleger darin gelitten habe. Busch reagierte mit dem Versprechen, im April genauere Angaben zum Zeitplan und zur steuerlichen Behandlung der Transaktion zu liefern.
Trotz der Skepsis der Investoren legte die Siemens-Aktie kräftig zu und erreichte im Februar 2026 mit 274 Euro ein Allzeithoch – ein Plus von 14 Prozent seit Jahresbeginn. Starke Quartalszahlen, darunter ein Umsatzwachstum von 8 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro, trieben den Kurs an. Zudem hob das Unternehmen seine Gewinnprognose an, was einige Bedenken der Anleger dämpfte.
Unterdessen treibt Siemens die Zusammenlegung seiner Kerngeschäftsbereiche – Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility – unter dem Motto "One Tech Company" voran. Der Wandel hin zu einer softwaregetriebenen Ausrichtung bleibt ein zentraler Schwerpunkt, auch wenn Aktionäre schneller messbare Erträge fordern.
Nun steht der Konzern unter Druck, aus seinen KI- und Umstrukturierungsplänen greifbare Erfolge zu generieren. Die Investoren verlangen handfeste Resultate statt bloßer Ankündigungen, bevor das Vertrauen vollständig zurückkehrt. Die für April angekündigten Neuigkeiten zur Healthineers-Abspaltung könnten weitere Klarheit über die künftige Ausrichtung des Unternehmens bringen.