RAW-Gelände in Berlin: Kampf um Kulturstätten und Wohnungsbau eskaliert
Lotta SchneiderRAW-Gelände in Berlin: Kampf um Kulturstätten und Wohnungsbau eskaliert
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf dem Spiel, da sich der Konflikt zwischen Projektentwicklern und Stadtverantwortlichen zuspitzt. Dutzende Demonstranten versammelten sich diese Woche am Kurfürstendamm und skandierten Parolen wie „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“, um sich gegen die drohende Schließung der Kulturstätten auf dem Areal zu stellen.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Ursprünglich als Wartungsdepot für Reichsbahn-Züge genutzt, verfiel es nach dem Fall der Berliner Mauer. Heute beherbergt es ein lebendiges Mischgebiet mit Clubs, Konzertlocations, einem Biergarten, einer Skatehalle, einer Boulderhalle, Lagerhallen sowie saisonalen Märkten wie einem Weihnachtsmarkt und Flohmarkt.
Im Mittelpunkt des Streits stehen Pläne für Wohnungsneubauten. Die Kurth Group, Eigentümerin des Geländes, fordert eine beschleunigte Baugenehmigung als Voraussetzung für weitere Planungen. Doch Senat und Bezirk legten Mitte Mai einen Rahmenvertrag vor, den die Gruppe zurückwies. Kernpunkte der Auseinandersetzung sind die Anzahl der zu errichtenden Wohnungen und der Erhalt der historischen Hallen.
Die Kurth Group wirft der Berliner Stadtregierung vor, frühere Absprachen zu brechen und einseitig neue Forderungen zu stellen. Senat und Bezirk hingegen werfen dem Unternehmen vor, die Zukunft der Clubs und die vielfältige soziokulturelle Szene des Geländes zu gefährden. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, erhielten bereits Räumungsaufforderungen – erste Zwangsräumungen könnten bereits nächste Woche vollstreckt werden.
Mit Live-Musik und Reden füllten die Demonstranten den Kurfürstendamm, um ihren Protest Ausdruck zu verleihen. Die Räumungsdrohung gegen den Club Cassiopeia und andere unterstreicht die Dringlichkeit der Lage. Ohne eine Lösung könnten die kulturellen Einrichtungen des RAW-Geländes bald für immer verschwinden.
