14 February 2026, 04:04

Merz fordert Europas militärische Eigenständigkeit gegenüber den USA

Eine Karte, die die 73-jährige Erweiterung der Nordatlantischen Vertragsorganisation (NATO) von 1949 bis heute zeigt, mit farblich kodierten Regionen nach Jahren und informativem Text oben.

Merz fordert Europas militärische Eigenständigkeit gegenüber den USA

Auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz forderte Bundeskanzler Friedrich Merz Europa auf, seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern. Der CDU-Vorsitzende plädierte für eine eigenständigere und unabhängige europäische Verteidigungspolitik. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der die EU ihre militärischen Fähigkeiten angesichts wachsender globaler Spannungen weiter ausbaut.

Merz warnte zudem vor den wachsenden Ambitionen Chinas. Europa müsse jetzt handeln, um in einer zunehmend wettbewerbsgeprägten Welt nicht den Anschluss zu verlieren, betonte er.

In den vergangenen fünf Jahren hat die EU Schritte unternommen, um ihre Verteidigungssouveränität zu stärken. Die kombinierten Militärausgaben der Mitgliedstaaten stiegen laut SIPRI-Daten um 25 % und erreichten 2025 insgesamt 326 Milliarden Euro. Zudem schuf der Block den Europäischen Friedensfonds, über den seit 2021 bereits 17 Milliarden Euro für die Ukraine mobilisiert wurden. 2024 startete das 150-Milliarden-Euro-Programm Europäische Rüstungsindustrie-Initiative (EDIP), das die gemeinsame Beschaffung von Waffen finanziert, während die EU-Schnelleingreiftruppe – 5.000 Soldaten für Kriseneinsätze – bis 2025 einsatzbereit war.

Trotz dieser Fortschritte bleibt Europa in den Bereichen nukleare Abschreckung und Nachrichtendienste von den USA abhängig. Der Strategische Kompass 2022 führte dauerhafte EU-Gefechtsverbände ein, und die Europäische Himmelschild-Initiative 2023 vereinte über 15 Staaten für eine integrierte Luft- und Raketenabwehr. Dennoch verfügt die USA mit einem Verteidigungsbudget von 916 Milliarden Dollar und einer unübertroffenen globalen Machtprojektion über eine deutlich größere militärische Schlagkraft.

Merz kritisierte die bisherige übermäßige Abhängigkeit Europas von Amerika als selbstverschuldet. Er schlug vor, eine stärkere europäische Säule innerhalb der NATO aufzubauen – nicht als Ersatz für das Bündnis, sondern um sicherzustellen, dass der Kontinent eigenständig handeln kann. Seine Warnung vor Chinas langfristig geplantem Aufstieg unterstrich die Dringlichkeit, Schwachstellen abzubauen, bevor die USA möglicherweise ihre militärische Vorherrschaft einbüßt.

Die EU hat zwar Fortschritte in der Verteidigungspolitik gemacht und Lücken bei Luftabwehr- und Raketensystemen verringert. Doch bleiben Herausforderungen, insbesondere bei der nuklearen Abschreckung und der Aufklärung. Merz' Appell für mehr Autonomie spiegelt die wachsende Sorge über sich verschiebende globale Machtverhältnisse und die Notwendigkeit wider, Europas Zukunft abzusichern.