Medizinische Dienstleistungen im Supermarkt: Deutsche wollen Wartezeiten umgehen
Mia KochMedizinische Dienstleistungen im Supermarkt: Deutsche wollen Wartezeiten umgehen
Viele Deutsche sind frustriert über die langen Wartezeiten auf Arzttermine. Eine aktuelle Umfrage zeigt ein wachsendes Interesse an medizinischen Dienstleistungen, die im Einzelhandel angeboten werden. Mehr als die Hälfte der Befragten würde sogar ihr gewohntes Geschäft wechseln, um diese Leistungen beim Einkauf von Lebensmitteln oder Alltagsprodukten nutzen zu können.
Die Idee einer gesundheitsbezogenen Versorgung im Einzelhandel gewinnt an Fahrt. Rund 60 Prozent der Deutschen könnten sich vorstellen, solche Angebote in Zukunft zu nutzen. Diagnostische Untersuchungen wie Augen- oder Hautchecks waren dabei mit 43 Prozent die beliebteste Wahl.
Bequemlichkeit spielt eine zentrale Rolle für die Attraktivität dieser Angebote. Drogeriemärkte waren für 39 Prozent der Befragten der bevorzugte Ort – vermutlich wegen ihrer guten Erreichbarkeit. Kürzere Wartezeiten, einfache Terminvereinbarungen und vertraute Umgebungen wurden als entscheidende Vorteile hervorgehoben.
Doch nicht alle sind überzeugt. Fast die Hälfte derjenigen, die sich gegen medizinische Dienstleistungen im Einzelhandel aussprachen, äußerten Bedenken hinsichtlich der Qualität. Trotzdem besteht Interesse an einem erweiterten Sortiment in der Nähe solcher Angebote, etwa Nahrungsergänzungsmitteln, Naturheilmitteln und medizinischen Hilfsmitteln.
Bisher gibt es keine konkreten Kooperationen zwischen großen Einzelhändlern wie dm oder Kaufland und Gesundheitsdienstleistern. Die letzte Erhebung zum Verbraucherinteresse stammte aus einer Deloitte-Studie im Februar 2024, doch es folgten keine Pilotprojekte.
Die Umfrage offenbart eine deutliche Lücke im deutschen Gesundheitssystem. Viele Menschen kämpfen mit der Verfügbarkeit von Terminen, und ein Drittel ist unzufrieden mit den aktuellen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten. Dienstleistungen im Einzelhandel könnten diese Bedürfnisse decken – doch Qualitätsbedenken und fehlende konkrete Projekte bleiben Hürden.






