Florentina Holzingers Pfingstspiel: Panzer, Taubenhelm und schwebende Körper in Wien
Lotta SchneiderFlorentina Holzingers Pfingstspiel: Panzer, Taubenhelm und schwebende Körper in Wien
Ein kühn-inszeniertes Pfingstspiel entfaltete sich in Wien unter der Regie von Florentina Holzinger. Die Aufführung verband extreme Körperlichkeit, religiöse Symbolik und ein atemberaubendes Spektakel – gipfelnd in der Zerstörung eines Panzers durch einen Monstertruck, während ein Fallschirmspringer mit taubenförmigem Helm aus der Höhe schwebte. Das Publikum wurde an ikonische Schauplätze geführt, darunter der Wiener Eislaufverein und Schloss Prinzendorf, der historische Sitz von Hermann Nitschs umstrittenem Orgien-Mysterien-Theater.
Der Abend begann mit Holzingers rein weiblichem Ensemble, das im Innenhof von Schloss Prinzendorf das Letzte Abendmahl neu interpretierte. In provokanten Kostümen parodierten die Künstlerinnen Nitschs berüchtigte Rituale und setzten damit den Ton für die folgenden Provokationen. Später ließ sich eine nackte Frau langsam an der Fassade des Wiener InterContinental Hotels hinab, ihre Bewegungen bewusst und hypnotisch.
Ein zentraler Moment zeigte dreizehn Performende, die in der Luft schwebten, ihre Körper durch Haken an Schultern und Knien durchbohrt. Die Szene wandelte sich, als Holzinger eine „Malaktion“ inszenierte: eine gekreuzigte Figur, umgeben von Drohnen – eine Hommage an Nitschs Erbe, das sie ins digitale Zeitalter überführte.
Der Höhepunkt folgte mit der Zerstörung eines Militärpanzers durch einen Monstertruck, eine Geste, die Holzinger als Appell für Frieden deutete. Darüber schwebte ein Fallschirmspringer mit taubenförmigem Helm herab – Symbol für die Ankunft des Heiligen Geistes. Die Vorstellung endete mit Holzinger und ihren „Jüngerinnen“, die sanft in der Luft schaukelten, ihre Körper von Seilen getragen, ein flüchtiger Moment der Stille im Chaos.
Holzingers Werk hob sich von den früheren Wiener Aktionisten ab, indem es rohe Körperlichkeit mit Technologie verband. Autos, Motorräder und sogar ein Fallschirmsprung wurden in das Spektakel integriert, neben den eindringlichen Bildern von Blut, Schmerz und Transzendenz.
Die Aufführung hinterließ beim Publikum einen Zusammenprall von Brutalität und Anmut, Tradition und Innovation. Holzingers Neudeutung von Nitschs Ritualen – durch Hightech und extreme körperliche Akte – wies dem Wiener Performance-Kunst eine neue Richtung. Das letzte Bild des Abends, schwebende Körper in stiller Harmonie, stand in scharfem Kontrast zu der Zerstörung, die ihm vorausging.
