Falsche Behauptungen über "Gruppenvergewaltigung nach dem Wiesn" entlarvt
Leon SchröderFalsche Behauptungen über "Gruppenvergewaltigung nach dem Wiesn" entlarvt
Ein umstrittener Artikel der Plattform Truth24, der von einer angeblichen "Gruppenvergewaltigung nach dem Wiesn" durch afrikanische Männer berichtet, hat sich in den sozialen Medien rasant verbreitet. Der Beitrag, der auf Facebook über 1.700 Mal geteilt wurde, suggerierte, dass solche Straftaten vor allem von Muslimen und Afrikanern begangen würden. Die Behörden haben die Vorwürfe inzwischen jedoch als haltlos zurückgewiesen.
Die Staatsanwaltschaft München ermittelte im Fall und fand keinerlei Belege für eine Gruppenvergewaltigung oder einen Versuch dazu. Zwar bestätigten Polizeiberichte eine sexuelle Nötigung, doch eine Beteiligung mehrerer Täter konnte ausgeschlossen werden. Die zunächst festgenommenen Verdächtigen wurden später wieder auf freien Fuß gesetzt – unter anderem wegen unklarer Sachlage und der Unfähigkeit des Opfers, zentrale Details des Vorfalls zu erinnern.
Truth24 stützte seine Behauptungen auf pauschale Verallgemeinerungen über Täter und behauptete, Übergriffe und Gruppenvergewaltigungen würden "vorwiegend von Muslimen und Afrikanern" verübt. Doch die offiziellen Kriminalstatistiken aus dem Jahr 2017 zeichnen ein anderes Bild: Zwar waren 54,8 Prozent der Tatverdächtigen in Fällen von Gruppenvergewaltigung keine deutschen Staatsbürger, doch fast die Hälfte der Verdächtigen war deutsch. Keine einzelne Nationalität dominierte die Zahlen, und keine der im Artikel genannten Gruppen hatte mehr als fünf Tatverdächtige in Fällen von "gruppenweise begangener Vergewaltigung in überfallartiger Weise".
Der Artikel bezog sich zudem auf eine nicht existente Straftatenkategorie namens "Überfallsvergewaltigungen". Tatsächlich waren 2017 bei "überfallartigen Vergewaltigungen" durch Einzeltäter 54,9 Prozent der Tatverdächtigen Deutsche. Seit 2018 werden Gruppenvergewaltigungen in der Polizeistatistik zudem nicht mehr separat erfasst, was direkte Vergleiche zusätzlich erschwert.
Die Münchner Behörden haben das Verfahren mittlerweile eingestellt und bestätigt, dass es keine Gruppenvergewaltigung gab. Die Kriminalstatistik von 2017 liefert keinerlei Belege für die Behauptungen von Truth24 über afrikanische oder muslimische Täter. Die weite Verbreitung des Artikels zeigt indes, wie schnell sich ungeprüfte Informationen im Netz verbreiten.






