Ex-Obama-Berater warnt Europa vor Trumps "Staatskapitalismus" und fordert neue Handelsbündnisse
Greta KleinEx-Obama-Berater warnt Europa vor Trumps "Staatskapitalismus" und fordert neue Handelsbündnisse
Peter Orszag, Vorstandsvorsitzender der Investmentbank Lazard und ehemaliger Berater der US-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton, warnt vor wachsenden wirtschaftlichen Risiken durch Donald Trumps Ansatz zur staatlichen Einflussnahme. In einer aktuellen Stellungnahme rief er Europa dazu auf, seine Abhängigkeit von den USA zu verringern und neue Handelsbündnisse zu erkunden, um in einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft nicht isoliert zu werden.
Orszags Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Diskussionen über Trumps mögliche zweite Amtszeit – die im Januar 2025 beginnen soll – und deren Folgen für den internationalen Handel sowie die Geopolitik an Intensität gewinnen.
Besorgniserregend sei vor allem Trumps "diskretionärer Staatskapitalismus", so Orszag, bei dem die US-Regierung ohne klare Richtlinien direkte Beteiligungen an privaten Unternehmen eingehe. Diese Vorgehensweise schaffe Unsicherheit für Investoren und Handelspartner gleichermaßen.
Als mögliche Gegenstrategie schlug Orszag vor, Europa solle einem Beitritt zur asiatischen Freihandelszone in Erwägung ziehen, um seine wirtschaftliche Position zu stärken. Ohne solche Schritte drohe dem Kontinent die Marginalisierung, während sich globale Handelsblöcke weiter zersplittern. Seine Aussagen decken sich mit dem Schwerpunkt von Lazard auf geopolitische Strategien und regulatorische Veränderungen unter seiner Führung.
Darüber hinaus unterstützte Orszag den Vorschlag des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau, ein Bündnis mittlerer Mächte zu bilden. Ein solches Bündnis könnte, so Orszag, das Gewicht größerer Volkswirtschaften wie der USA und Chinas ausbalancieren.
Bisher gibt es jedoch keine konkreten Schritte der Europäischen Union in Richtung größerer Unabhängigkeit von den USA. Zwar haben einzelne deutsche Politiker, etwa aus der CDU, eine "transatlantische, aber stärker europäische" Ausrichtung gefordert, doch bleibt eine umfassende EU-Initiative aus. Die jüngsten Debatten konzentrieren sich stattdessen auf Trumps mögliche Rückkehr ins Amt sowie auf thematisch unrelated Bereiche wie den Schutz vor digitaler Gewalt.
Orszags Warnungen spiegeln die allgemeinen Befürchtungen wider, dass sich die US-Wirtschaftspolitik unter einer möglichen zweiten Amtszeit Trumps grundlegend ändern könnte. Sein Appell an Europa, die Handelsbeziehungen zu diversifizieren, hat bisher jedoch noch keine Taten folgen lassen – die langfristige Strategie des Kontinents bleibt damit unklar.
Aktuell wird weiter diskutiert, wie sich Europa in einer Welt positionieren soll, in der traditionelle Bündnisse möglicherweise keine Stabilität mehr garantieren.