15 February 2026, 22:03

China wirbt in München für Multilateralismus und stärkere Partnerschaft mit Europa

Ein blauer Kreis mit einem weißen Golfball in der Mitte, umgeben von einem weißen Ring mit den blauen Wörtern "Global Open Initiative" darauf, vor einem weißen Hintergrund.

China wirbt in München für Multilateralismus und stärkere Partnerschaft mit Europa

Chinas Außenminister Wang Yi spricht auf Münchner Sicherheitskonferenz für stärkeren Multilateralismus und Zusammenarbeit mit Europa

Chinas Außenminister Wang Yi hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz für einen stärkeren Multilateralismus und eine engere Zusammenarbeit zwischen China und Europa plädiert. Er betonte, dass Unterschiede zwischen beiden Seiten nicht zu Konfrontation führen dürften, sondern durch Dialog gelöst werden müssten.

Gleichzeitig warnte Wang vor einem wachsenden Unilateralismus und einer "Recht-des-Stärkeren"-Mentalität in der globalen Politik. Seine Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund enger Handelsbeziehungen zwischen China und der EU, die trotz jüngster Spannungen in Fragen von Zöllen und Wettbewerb in Schlüsselbranchen weiterhin stabil bleiben.

Tiefe Wirtschaftsverflechtung trotz Handelsstreitigkeiten

Wang verwies zunächst auf die tiefgreifenden wirtschaftlichen Verbindungen zwischen China und Europa. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1972 habe sich der bilaterale Handel deutlich ausgeweitet. 2024 erreichte der Warenhandel ein Volumen von 732 Milliarden Euro – ein leichter Rückgang um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2025 stiegen Chinas Exporte in die EU jedoch um 8,4 Prozent, wobei Maschinen und Fahrzeuge 55 Prozent der EU-Importe aus China ausmachten. Die EU verzeichnete zudem einen Dienstleistungsüberschuss in Höhe von 21,7 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Auch die Investitionsströme blieben intakt: Allein im ersten Quartal 2025 flossen 3,06 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen aus der EU nach China. Dennoch bestehen weiterhin Spannungen, insbesondere bei chinesischen Elektroauto-Importen, im Technologiewettbewerb und bei Vergeltungszöllen, wie sie etwa auf EU-Milchprodukte verhängt wurden.

Keine "systemische Rivalität", sondern Partnerschaft

In seiner Rede wies Wang die Vorstellung zurück, China und Europa seien "systemische Rivalen". Stattdessen beschrieb er beide als Partner und rief zu Kooperation statt Konkurrenz auf. Kritisch äußerte er sich über Forderungen aus den USA, sich von China zu distanzieren, und plädierte stattdessen für einen "positiven und pragmatischen" Ansatz Washingtons.

Der Minister unterstrich die Notwendigkeit, die zentrale Rolle der Vereinten Nationen in der globalen Governance zu stärken. Große Staaten müssten mit gutem Beispiel vorangehen, Multilateralismus fördern und einseitige Maßnahmen ablehnen, so Wang. Er warnte vor wachsender Instabilität in der Welt, wo Unilateralismus und Machtpolitik zunehmend an Einfluss gewännen.

Faire Rahmenbedingungen und Reform der globalen Ordnung

Wang bekräftigte Chinas Engagement für wirtschaftliche Offenheit auf hohem Niveau und forderte Deutschland auf, chinesischen Unternehmen eine faire, diskriminierungsfreie Umgebung zu bieten. Zum Abschluss seiner Rede rief er zu globaler Zusammenarbeit auf, um die internationale Governance zu reformieren und in einer zunehmend unsicheren Welt für Stabilität zu sorgen.

Mit seiner Rede auf der Konferenz unterstrich Wang Chinas Bestrebungen, den Multilateralismus und die Zusammenarbeit mit Europa voranzutreiben – trotz anhaltender Handelskonflikte und geopolitischer Herausforderungen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass China trotz Streitigkeiten über Zölle, Technologie und Marktzugang weiterhin auf wirtschaftliche Verflechtung mit der EU setzt.