Bayerns peinliches Hymnen-Chaos: Warum selbst Söder und Stoiber scheitern
Lotta SchneiderBayerns peinliches Hymnen-Chaos: Warum selbst Söder und Stoiber scheitern
Eine aktuelle Diskussion hat gezeigt, wie wenig die Fans von FC Bayern München über die Hymnen ihres eigenen Bundeslandes und Europas wissen. Selbst der ehemalige Ministerpräsident Markus Söder könnte mit dem Text der Europahymne seine Schwierigkeiten haben. Gleichzeitig versuchte eine langjährige Kampagne einst, dieses Problem bei der bayerischen Hymne zu lösen – mit rekordverdächtigen Ergebnissen.
Die Verwirrung geht über die Liedtexte hinaus: Manche verwechseln historische Persönlichkeiten oder deuten poetische Begriffe wie "Cherub" – eigentlich eine Engelsgestalt – fälschlich als regionale Spezialitäten.
Die Europahymne, basierend auf Beethovens 9. Sinfonie und Schillers An die Freude, wird in der Regel ohne Gesang vorgetragen. Ihre Botschaft dreht sich um Freiheit, Frieden und Einheit. Doch für viele – selbst prominente Politiker – bleibt das Vorsprechen der Worte eine Herausforderung.
In Bayern stellt sich ein ähnliches Problem mit der eigenen Landeshymne. Die meisten Einwohner kennen nur die erste Zeile – ein Umstand, der Rudolf Hierl, einen ehemaligen CSU-Stadtrat in München, in den 1990er-Jahren zum Handeln veranlasste. Er ließ über 500.000 Textkarten drucken und verteilen. Seine Aktion brachte ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als größte Hymnen-Werbekampagne aller Zeiten ein. Doch die Missverständnisse enden nicht dort: Manche hielten den in der Hymne erwähnten "Cherub" – eine Engelsfigur – für eine Art bayerische Wurst oder einen Döner. Auch historische Verwechslungen halten sich hartnäckig, etwa wenn Konstantin Hierl, ein NS-Funktionär, mit dem modernen CSU-Politiker verwechselt wird. Susanne Hierl, Kandidatin für den Bundestag 2025 im Wahlkreis Amberg, steht dagegen in keinem Zusammenhang mit diesen vergangenen Ereignissen.
Sogar Edmund Stoiber, ein weiterer ehemaliger Ministerpräsident, vergass einst bei einem öffentlichen Auftritt den Text der bayerischen Hymne. Der Vorfall nährte die seit Langem schwelende Debatte über regionale und europäische Identität im Freistaat.
Die immer wiederkehrenden Schwierigkeiten mit den Hymnentexten offenbaren ein größeres Muster in Bayern: Trotz Kampagnen und öffentlicher Aufmerksamkeit fällt es vielen schwer, sich die Worte einzuprägen – sei es aus regionalem Stolz oder für die europäische Einheit. Vorerst erklingen die Hymnen also weiter, oft ohne die eigentlichen Strophen.