09 February 2026, 16:12

Bayern und Tschechien: Fortschritte trotz historischer Gräben und Infrastruktur-Streit

Ein Plakat, das die elektrische Stadt Bergbahn, Deutschland, bewirbt und Bilder von Gebäuden, Bäumen, Hügeln und beschreibendem Text zeigt.

Wo Bayern und Tschechien übereinstimmen - und wo nicht - Bayern und Tschechien: Fortschritte trotz historischer Gräben und Infrastruktur-Streit

Bayern und Tschechien festigen ihre Beziehungen – trotz anhaltender Differenzen in der Verteidigungspolitik und bei historischen Fragen. Ministerpräsident Markus Söder wird die Tschechische Republik noch in diesem Jahr besuchen, nachdem Prag kürzlich seine Haltung zu Gedenkveranstaltungen im Zusammenhang mit der Geschichte der Sudetendeutschen gelockert hat. Beide Regionen wollen zudem die Zusammenarbeit in Technologie und Infrastruktur ausbauen, auch wenn grenzüberschreitende Projekte immer wieder Verzögerungen erfahren.

Die Beziehungen zwischen Bayern und Tschechien waren in den letzten Monaten von Fortschritten wie auch Spannungen geprägt. Im Juni erlaubte die tschechische Regierung erstmals die Abhaltung des Sudetendeutschen Tages in Brünn – eine Veranstaltung, an der Söder teilnehmen wird. Die Zusammenkunft, die am 15. und 16. Juni unter strengen Sicherheitsauflagen stattfand, war möglich geworden, nachdem die Veranstalter nationalistische Rhetorik abgemildert hatten. Dies stellt einen Wandel gegenüber 2018 dar, als der damalige Ministerpräsident Andrej Babiš die Veranstaltung mit Verweis auf Befürchtungen historischer Geschichtsverfälschung und die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg verboten hatte.

Ein zentraler Diskussionspunkt bleibt die Infrastruktur. Tschechien drängt Deutschland und Bayern, den Ausbau grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen zu beschleunigen, insbesondere der Autobahn A93 bis zur tschechischen Grenze. Söder räumte ein, dass Deutschland diese Projekte jahrzehntelang vernachlässigt habe. Unterdessen verbessern sich die Schienenverbindungen langsam; beide Seiten betonen die wirtschaftlichen Vorteile einer engeren Anbindung.

In den Bereichen Energie und Technologie planen die beiden Regionen eine vertiefte Zusammenarbeit, etwa in der Kernfusion und künstlichen Intelligenz. Dennoch bestehen weiterhin Unterschiede: Söder setzt sich dafür ein, dass Deutschland Europa in der Rüstungsproduktion anführen soll – eine Position, die mit der tschechischen Haltung kollidiert. Einig sind sich beide Seiten jedoch darin, dass Verbrennermotoren auch künftig eine Rolle in ihren Plänen spielen sollen.

Trotz dieser Meinungsverschiedenheiten beschreiben Vertreter die bilateralen Beziehungen insgesamt als stark und nachbarschaftlich. Dennoch stocken einige Projekte, und historische Sensibilitäten prägen weiterhin die Debatten.

Söders bevorstehender Besuch in Tschechien wird sowohl die Zusammenarbeit als auch die noch ungelösten Fragen in den Fokus rücken. Die Rückkehr des Sudetendeutschen Tages auf tschechischen Boden spiegelt einen vorsichtigen Kurswechsel Prags wider, während gemeinsame Initiativen in Technologie und Verkehr die anhaltende Kooperation unterstreichen. Doch Verzögerungen bei der Infrastruktur und unterschiedliche Auffassungen in der Sicherheitspolitik zeigen: Es bleibt noch viel zu tun.