13 June 2026, 16:02

Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage mit echtem Blut und Totenkleidern

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage mit echtem Blut und Totenkleidern

Angélica Liddells neueste Performance Seppuku: Die Beisetzung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte am Donnerstag, dem 28. Februar 2024, im Volkstheater Premiere. Das Stück ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und Makabres auseinandersetzen.

Liddell lässt sich stark vom Leben und Werk des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima inspirieren, der 1966 in einem Kurzfilm einen rituellen Suizid inszenierte, bevor er sich 1970 durch Seppuku – den traditionellen japanischen Harakiri-Ritualmord – das Leben nahm. Sein Einfluss durchzieht die gesamte Produktion.

Die Aufführung umfasst eine eindringliche Nachstellung von Mishimas Seppuku vor einer goldblättrigen Kulisse. Liddell und eine weitere Darstellerin setzen in einer drastischen Bühnenszene sogar ihr eigenes Blut ein. Die Künstlerin erkundet darin die Leben und Tode jener, die sich bewusst für den Freitod entschieden.

Für die Inszenierung sammelte Liddells Ensemble Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke Verstorbener, die im Stück getragen werden. Auf der Bühne schlüpft Liddell in diese Gewänder und verkörpert so die Rollen und letzten Momente fremder Menschen. Die Idee dazu entstand, nachdem sie am 7. Januar 2024 miterlebte, wie sich eine Frau in Madrid von einem Dach stürzte.

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Die Produktion konfrontiert das Publikum mit schonungslosen, persönlichen Reflexionen über die Sterblichkeit. Durch den Einsatz echter Kleidung, realen Blutes und historischer Bezüge wird der Suizid zugleich als intimer und theatralischer Akt dargestellt. Die Premiere ist ein mutiger Beitrag zum diesjährigen Festivalprogramm.

Quelle