2027: Wird Deutschland endlich seine erste Bundespräsidentin wählen?
Leon SchröderAigner: Frau muss echte Chancen bei Präsidentschaftswahl haben - 2027: Wird Deutschland endlich seine erste Bundespräsidentin wählen?
In der 75-jährigen Geschichte Deutschlands hat es noch nie eine Bundespräsidentin gegeben. Alle elf Amtsinhaber seit 1949 waren Männer – und auch nach dem Ende von Frank-Walter Steinmeiers Amtszeit steht die nächste Wahl erst 2027 an. Doch nun mehren sich die Forderungen, diese Tradition in den Bundesländern Deutschlands zu durchbrechen und eine aussichtsreiche Kandidatin ins Rennen zu schicken.
Die erfahrene Politikerin Ilse Aigner betonte, dass eine Bewerberin 2027 echte Siegchancen haben müsse. Sie kritisierte frühere Wahlen, bei denen Frauen wie Gesine Schwan oder Dagmar Schipanski zwar nominiert wurden, aufgrund politischer Taktiken aber von vornherein kaum eine Chance hatten. Aigner warnte, dass Alibi-Kandidaturen den Fortschritt von Frauen in der Politik eher behindern als fördern würden.
Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt, einem Gremium aus Abgeordneten und Delegierten der 16 Bundesländer. Traditionell ging das Amt an erfahrene männliche Vertreter der großen Parteien – ein Ergebnis des konsensorientierten Auswahlverfahrens. Doch mit einem Frauenanteil von mittlerweile rund 35 Prozent im Bundestag und dem wachsenden Druck für Gleichberechtigung könnte sich dies bei der nächsten Wahl ändern.
Aigner nannte keine konkreten Namen für mögliche Kandidatinnen, da es ihrer Meinung nach noch zu früh für solche Spekulationen sei. Wichtig sei ihr, dass eine Bewerberin von Anfang an ernst genommen werde – und nicht nur als symbolische Geste in den Wahlomat nominiert werde.
Die Wahl 2027 bietet die nächste Gelegenheit, Deutschlands erste Bundespräsidentin zu wählen. Ob es gelingt, hängt davon ab, ob die großen Parteien eine überzeugende Kandidatin unterstützen. Die Entscheidung der Bundesversammlung wird zeigen, ob sich Tradition oder Wandel durchsetzen.