24 March 2026, 14:03

Wie Russlands Politik das Ballett Nurejew vom Bolschoi-Theater verbannt hat

Eine Balletttänzerin in einem weißen Tutu und Spitzenschuhen tanzt auf einer Bühne, während das Publikum zusieht, mit einem Burgenbild im Hintergrund.

Wie Russlands Politik das Ballett Nurejew vom Bolschoi-Theater verbannt hat

Das Ballett Nurejew – Ein Meisterwerk zwischen Kunst und Politik

Das Ballett Nurejew, das 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt wurde, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Kreiert vom Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow, feierte es das Leben des legendären Tänzers, wurde jedoch später in Russland verboten. Die mutige Darstellung Nurejews Homosexualität und die politischen Untertöne führten 2023 zum Absetzen des Stücks aus dem Spielplan.

Die Bühnenbilder des Balletts spiegeln Nurejews extravagante Welt wider – gefüllt mit Kunstwerken alter Meister, Thonet-Stühlen und sogar einer Rekonstruktion seiner italienischen Insel. Trotz des anfänglichen Erfolgs konnte der zweite Akt nicht an die Wucht des ersten anknüpfen, doch die visuelle Pracht blieb beeindruckend. Die Geschichte hinter dem Ballett – von der Premiere bis zum Verbot – offenbart die Spannungen zwischen Kunst und Politik im modernen Russland.

Die Uraufführung von Nurejew fand 2017 in Moskau unter der Regie von Kirill Serebrennikow statt, der auch das Libretto verfasste und die Bühnenbilder entwarf. Die Choreografie stammte von Juri Possochow, einem in der Ukraine geborenen US-Bürger. Die Produktion zeigte Nurejews dramatisches Leben – von seiner Flucht in den Westen bis zu seinem ambivalenten Verhältnis zu Russland. Serebrennikow selbst konnte die Premiere jedoch nicht besuchen, da er sich zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest befand – ein Teil eines Rechtsstreits, der später in einer Verurteilung wegen Untreue endete.

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Die Bühnenbilder waren eine opulente Hommage an Nurejews Welt: mit männlichen Akten alter Meister, Sofas von Maria Callas und Anspielungen auf seine Privatinsel. Während der erste Akt für seine emotionale Tiefe gelobt wurde, kritisierten Beobachter, dass der zweite Akt trotz seiner glanzvollen Optik an Intensität verlor. Den Abschluss bildete eine gespenstische Szene: Nurejews Tod, begleitet von den Schatten aus La Bayadère, dirigiert von einer Figur in einem weißen Turban.

2023 verbot die russische Regierung Nurejew mit der Begründung, das Werk werbe für "nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen" – ein Vorwurf, der auf den anti-LGBTQ-Gesetzen des Landes basiert. Der Ukraine-Krieg verschärfte die Lage zusätzlich: Possochow, mittlerweile US-Amerikaner, arbeitete weiterhin mit dem Bolschoi zusammen, während Serebrennikows juristische Probleme und die Themen des Balletts es zum Ziel staatlicher Kritik machten. Die originale Versteigerung von Nurejews Nachlass 1995, die Teile der Bühnenbilder inspirierte, verlieh der Produktion eine weitere historische Dimension.

Das Schicksal des Balletts spiegelt die größeren kulturellen Verschiebungen in Russland wider, wo künstlerische Freiheit zunehmend mit staatlicher Politik kollidiert. Trotz des Verbots bleibt Nurejew ein kraftvolles Beispiel dafür, wie Ballett Politik, Identität und persönliches Erbe verbinden kann.

Das Verbot von Nurejew 2023 beendete zwar seine Aufführungen am Bolschoi, doch sein Vermächtnis lebt weiter. Die Mischung aus persönlichem Drama und politischem Widerstand unterstreicht die Herausforderungen, denen Künstler in Russland heute gegenüberstehen. Mit seinen prunkvollen Bühnenbildern und der mutigen Erzählweise fing das Ballett Nurejews Leben auf eine Weise ein, die tief berührte – selbst als es den Veränderungen der Gesetze und internationalen Spannungen zum Opfer fiel.

Quelle