26 March 2026, 22:04

Wie der ZDF Magazin Royale einen rechtsextremen YouTuber unfreiwillig zum Star machte

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Es ist an der Zeit, Social-Media-Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen" in der Mitte auf einem weißen Hintergrund eingerahmt von einem dünnen schwarzen Rand.

Wie der ZDF Magazin Royale einen rechtsextremen YouTuber unfreiwillig zum Star machte

Ein Beitrag des ZDF Magazin Royale, der eigentlich einen rechtsextremen YouTuber entlarven sollte, hat stattdessen dessen Popularität gesteigert. Die von Jan Böhmermann moderierte Sendung recherchierte über den anonymen Macher hinter Clownswelt – doch die Kritik daran führte zu einem massiven Anstieg an Abonnenten und Aufrufen. Beobachter fragen sich nun, ob der Ansatz die gewünschte Wirkung erzielte.

Anfang 2024 hatten Böhmermanns Team und der Zeit-Online-Journalist Fuchs die Identität des YouTubers Clownswelt untersucht. Damals zählte der Kanal etwa 220.000 Abonnenten. Bis Mai 2025 stieg diese Zahl auf über 384.000, mit monatlichen Aufrufen in Millionenhöhe. Statt den Kanal zu schwächen, löste die Recherche das aus, was Beobachter als Streisand-Effekt bezeichnen: Der Versuch, Informationen zu unterdrücken, führte zu deren Verstärkung.

Nutzer sozialer Medien und konservative Kreise warfen Böhmermann und Zeit Online "Stasi-Methoden" vor; einige forderten sogar die Veröffentlichung ihrer Privatadressen als Vergeltung. Der Medienanwalt Christian Solmecke äußerte später, die Recherche könnte gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben, der die öffentliche Verbreitung personenbezogener Daten unter Gefährdung Betroffener verbietet. Fuchs verteidigte die Berichterstattung und betonte, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien, um die Privatsphäre des YouTubers zu schützen.

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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kritisierte den Beitrag hingegen als unzureichend belegt: Es fehle an konkreten Hinweisen darauf, dass Clownswelt tatsächlich rechtsextrem oder gefährlich sei. Trotz der Kontroverse blieb die finanzielle Situation des Kanals unberührt – er generiert weiterhin Werbeeinnahmen. Andere rechtspopulistische Kanäle, etwa von Reichelt, Junk oder Compact, verzeichneten im selben Zeitraum deutlich geringeres Wachstum – zwischen 10 und 50 Prozent.

Der ZDF-Magazin-Royale-Beitrag, der Clownswelt entlarven sollte, hat den Kanal stattdessen als einen der am schnellsten wachsenden rechtsextremen Kanäle Deutschlands etabliert. Die Abonnentenzahlen verdoppelten sich nahezu, die monatlichen Aufrufe stiegen in die Millionen. Der Fall gilt nun als umstrittenes Beispiel dafür, wie mediale Aufmerksamkeit manchmal ins Gegenteil umschlagen und genau jenen Einfluss verstärken kann, den sie eigentlich eindämmen wollte.

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