TMZ stürmt Washington: Wenn Promi-Journalismus auf Politik trifft
Lotta SchneiderTMZ stürmt Washington: Wenn Promi-Journalismus auf Politik trifft
TMZ bringt seinen typischen Paparazzi-Journalismus nach Washington – und sorgt für Aufsehen
Das Klatschportal TMZ hat begonnen, die Politik in Washington nach seinem markanten Stil zu begleiten – mit Fokus auf Abgeordnete in ihrer Freizeit. Kürzlich veröffentlichte die für Promi-Nachrichten bekannte Plattform ungestellte Aufnahmen von Politikern wie Senator Cory Booker und dem Abgeordneten Robert Garcia, aufgenommen fernab der Hauptstadt. Die aggressiven Methoden des Portals sowie die Bezahlung von Informanten haben bereits Debatten unter traditionellen Journalisten und Beamten ausgelöst.
Das Washingtoner Büro von TMZ setzt auf ungewöhnliche Wege: Statt auf Presseakkreditierungen für den Kongress zu warten, jagt es Politiker außerhalb offizieller Räume, verlässt sich auf spontane "Gehen-und-Reden"-Interviews und eingereichte Fotos von Bürgern. Ein Reporter des Portals, Charlie Cotton, stellte sogar Verteidigungsminister Pete Hegseth während einer Pressekonferenz im Pentagon zur Rede – mit der Frage, ob das Department of Defense nicht besser in Department of Peace (Friedensministerium) umbenannt werden sollte. Hegseth bezeichnete TMZ später scherzhaft als "die neuen Mitglieder unserer Pressegruppe hier".
Ein virales Foto von Senator Lindsey Graham, der während einer politischen Krise mit einem Zauberstab in Disney World posierte, ging ebenfalls auf das Konto von TMZ. Unterdessen geriet der demokratische Abgeordnete Jared Moskowitz aus Florida in die Kritik, nachdem er während einer Haushaltssperre beim Department of Homeland Security beim Basketballspiel seines Sohnes fotografiert worden war. Kollegen verteidigten ihn mit dem Argument, dass private Auszeiten legitim seien. Die demokratische Abgeordnete Lateefah Simon aus Kalifornien teilte unterdessen eine bewegende Geschichte über den Tod ihres Vaters – ausgelöst durch eine Frage zu den alljährlichen 4/20-Marihuana-Feierlichkeiten.
Besonders umstritten ist die Praxis von TMZ, Informanten für Story-Tipps zu bezahlen. Traditionelle Medienhäuser lehnen solche Methoden meist ab, und sie könnten sogar gegen die ethischen Richtlinien des Kongresses verstoßen.
Mit seinem Einstieg in die Washington-Berichterstattung vermischt TMZ Promi-Journalismus mit harter Politikberichterstattung. Die Taktiken des Portals – von bezahlten Tipps bis zu Bürgerfotos – haben Politiker bereits auf unerwartete Weise ins Rampenlicht gerückt. Wie der Kongress und die Pressekorps darauf reagieren werden, bleibt abzuwarten.






