Münchens erster grüner Oberbürgermeister bricht SPD-Ära nach Jahrzehnten
Leon SchröderMünchens erster grüner Oberbürgermeister bricht SPD-Ära nach Jahrzehnten
München hat seinen ersten grünen Oberbürgermeister in der Geschichte gewählt. Dominik Krause, ein 35-jähriger stellvertretender Bürgermeister, besiegte den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) in der Stichwahl am 22. März 2026. Sein Sieg beendet Jahrzehnte der SPD-Vorherrschaft in der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg.
Krauses Wahlkampf stand im Zeichen kühner Versprechen, darunter 50.000 neue bezahlbare Wohnungen und ein schnellerer Wandel. Sein Slogan "Weil mehr geht" (Weil mehr möglich ist) bildete einen scharfen Kontrast zu Reiters zurückhaltendem "Passt" (Es ist in Ordnung). Die Kampagne des Amtsinhabers litt zudem darunter, dass er seine Positionen in den Aufsichtsräten des FC Bayern München nicht offenlegt hatte.
Krause, der offen schwul lebt, nahm während des Wahlkampfs spielerisch den Spitznamen "BürGAYmeister" an. Bereits zuvor hatte er kommissarisch die Amtsgeschäfte übernommen, als Reiter beurlaubt war. Trotz anfänglicher Skepsis in der eigenen Partei setzte er sich für Münchens Olympische Bewerbung ein – ein Schritt, der ihn vom grünen Mainstream abhob.
Sein Sieg bringt ihn in Konflikt mit Markus Söder, dem CSU-Ministerpräsidenten Bayerns. Zwar hatte Söder selbst nie das Münchner Rathaus geführt, doch die Dominanz seiner Partei in der Region steht nun vor einer Herausforderung. Krauses Aufstieg folgt auf ein starkes Abschneiden im ersten Wahlgang und beweist seine Anziehungskraft über die traditionelle grüne Wählerschaft hinaus.
Zwar ist Krause nicht Münchens jüngster Oberbürgermeister – Hans-Jochen Vogel war 1960 mit 34 Jahren gewählt worden –, doch er steht für einen Generationswechsel. Seine Politik markiert einen Bruch mit Reiters achtjähriger Amtszeit, die 2014 begann, aber an Schwung verlor, angesichts von Wohnungsnot und einer defensiven Kampagne.
Krause tritt sein Amt mit einem klaren Auftrag für Wohnungsreformen und eine dynamischere Politik an. Sein Sieg verändert die politische Landschaft Münchens und beendet die jahrzehntelange SPD-Herrschaft. Die Agenda des neuen Oberbürgermeisters wird sowohl die Unterstützung seiner Partei als auch seine Fähigkeit auf die Probe stellen, ehrgeizige Versprechen umzusetzen.






