Darmbakterien stärken Immunabwehr gegen Krebs durch spezielle Fettsäure
Leon SchröderDarmbakterien stärken Immunabwehr gegen Krebs durch spezielle Fettsäure
Eine neue Studie hat aufgezeigt, wie Darmbakterien die körpereigene Abwehr gegen Krebs stärken können. Forscher entdeckten, dass eine bestimmte Fettsäure, die von einem häufigen Bakterium produziert wird, die Fähigkeit von Immunzellen verbessert, Tumore zu bekämpfen. Die Ergebnisse wurden in Nature Communications veröffentlicht und deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Krebstherapie hin.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand Megasphaera massiliensis, ein Bakterium, das natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommt. Dieser Mikroorganismus produziert Pentanoat, eine kurzketten Fettsäure, die – ähnlich wie Butyrat – eine zentrale Rolle für die Immunfunktion spielt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Pentanoat die zytotoxische Aktivität von CD8-T-Zellen, auch als Killerzellen bekannt, deutlich steigert. Diese Zellen erkennen und zerstören gezielt Krebszellen.
In Experimenten zeigte sich, dass die Behandlung tumorspezifischer T-Zellen mit Pentanoat deren Fähigkeit verbesserte, solide Tumore in Labormodellen zu bekämpfen. Die Studie wurde von Dr. Maik Luu geleitet, einem Postdoktoranden im Labor von Professor Michael Hudecek, unter Mitwirkung von Professor Alexander Visekruna von der Philipps-Universität Marburg. Ihre Arbeit unterstreicht, wie bakterielle Stoffwechselprodukte die Wirksamkeit von Tumortherapien direkt beeinflussen können.
Der menschliche Darm beherbergt etwa 100 Billionen Bakterienzellen aus Tausenden von Arten. Diese Mikroben regulieren zahlreiche Körperfunktionen, darunter auch Immunreaktionen. Durch die Identifizierung von Megasphaera massiliensis als wichtigen Pentanoat-Produzenten hat das Team neue Möglichkeiten eröffnet, Krebstherapien durch mikrobiobasierte Ansätze zu optimieren.
Die unter der DOI 10.1038/s41467-021-24331-1 veröffentlichten Ergebnisse belegen einen klaren Zusammenhang zwischen Darmbakterien und der Leistungsfähigkeit von Immunzellen. Die Fähigkeit von Pentanoat, die Aktivität von T-Zellen gegen Tumore zu verstärken, könnte zu verbesserten Therapien bei soliden Krebserkrankungen führen. Weitere Forschungen könnten untersuchen, wie ernährungsbedingte oder mikrobielle Eingriffe diese immunstärkenden Effekte unterstützen könnten.






