Chiemsee muss Bürgermeisterwahl wegen ungewöhnlicher Stimmenverteilung wiederholen
Mia KochBürgermeister verfehlt Mehrheit - Chiemsee muss erneut wählen - Chiemsee muss Bürgermeisterwahl wegen ungewöhnlicher Stimmenverteilung wiederholen
Chiemsee, Bayerns kleinste Gemeinde, muss Bürgermeisterwahl wiederholen
Nach dem scheidenden Bürgermeister die absolute Mehrheit verfehlte, steht im bayerischen Chiemsee eine Neuwahl an – obwohl es weder Skandale noch Kontroversen gab. In der eng verbundenen Gemeinde mit rund 170 Einwohnern kam es zu einer ungewöhnlichen Stimmenverteilung, die eine beispiellose Wiederholung der Wahl erzwingt.
Amtsinhaber Armin Krämmer, einziger offizieller Kandidat, erhielt lediglich 47,7 Prozent der Stimmen und verpasste damit die notwendige Mehrheit. Mehr als die Hälfte der Wähler schrieb stattdessen alternative Namen auf den Stimmzettel, darunter der langjährige Gemeinderat Michael Lanzinger, der mit 21,5 Prozent die meisten Stimmen auf sich vereinte. Da Lanzinger eine Stichwahl ablehnte, muss nun eine komplette Neuwahl stattfinden – ein Novum im Landkreis Rosenheim.
Die Wahlbeteiligung war mit 80 Prozent der 144 Wahlberechtigten außergewöhnlich hoch. Zwar sind persönliche Stimmenabgaben in kleinen Gemeinden innerhalb von Verwaltungsgemeinschaften nicht ungewöhnlich, doch eine vollständige Wiederholung der Wahl gab es bisher noch nie. Der neue Wahltermin ist für Juni vorgesehen.
Chiemsee besteht aus drei Inseln: der Fraueninsel mit einem Benediktinerinnenkloster, der Herreninsel, auf der das Schloss von König Ludwig II. steht, und der unbewohnten Krautinsel. Das Ergebnis spiegelt größere Trends in Bayern wider, wo die Kommunalpolitik oft von der CSU oder unabhängigen Gruppierungen dominiert wird – trotz wachsender Erfolge von Parteien wie der AfD bei Gemeinderatswahlen.
Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Hiltpoltstein, wo einer der beiden führenden Kandidaten eine Stichwahl ablehnte und die Kommunalwahlen damit zusätzlich verkomplizierte.
Die Neuwahl ist ein seltenes Ereignis in der Geschichte Chiemsees – ausgelöst nicht durch Streit, sondern durch die Präferenzen der Wähler. Da bisher kein Kandidat feststeht, bereitet die Gemeinde nun die Abstimmung im Juni vor, um allen Bürgern eine erneute Entscheidung über ihre Führung zu ermöglichen.