08 March 2026, 10:07

Betriebsratswahlen im Landkreis: Warum viele Arbeitnehmer leer ausgehen

Ein Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund zeigt "Kinderaustellung ist eine nationale Gefahr - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen", mit einer Gruppe von Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Ethni- tät, die gemeinsam stehen.

Betriebsratswahlen im Landkreis: Warum viele Arbeitnehmer leer ausgehen

Betriebsratswahlen finden derzeit im gesamten Landkreis Weilheim-Schongau/Garmisch-Partenkirchen statt. Diese Gremien, die in Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten gesetzlich vorgeschrieben sind, spielen eine zentrale Rolle bei betrieblichen Verhandlungen. Doch trotz ihrer Bedeutung fehlen sie in vielen Betrieben – selbst dort, wo sie rechtlich verpflichtend wären.

Nach deutschem Recht muss jedes Unternehmen mit fünf oder mehr Mitarbeitenden einen Betriebsrat wählen. In der Praxis sind es jedoch vor allem Firmen mit über 200 Beschäftigten, die über ein solches Gremium verfügen. Karl Musiol, erster bevollmächtigter Vertreter der IG Metall Oberland und stellvertretender Vorsitzender des DGB-Kreisverbands, beobachtet die Verbreitung dieser Gremien im Landkreis genau. Während große Arbeitgeber wie Roche oder UPM über gut etablierte Betriebsräte verfügen, hat die Gastronomiebranche aufgrund hoher Fluktuation und kleiner Betriebsgrößen besonders große Schwierigkeiten.

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Die Wahlen zu diesen Gremien laufen derzeit. Eine hohe Wahlbeteiligung stärkt die Verhandlungsposition gegenüber der Geschäftsführung. In 99 Prozent der Fälle, in denen Beschäftigte die Gründung eines Betriebsrats anstreben, ist dies erfolgreich – auch wenn manche Arbeitgeber versuchen, den Prozess zu behindern.

Sobald ein Betriebsrat etabliert ist, übernimmt er zentrale Aufgaben wie die Aushandlung von Abfindungsregelungen oder die Sicherstellung fairer Kriterien bei Entlassungen. Die Tarifbindung im Landkreis bleibt jedoch lückenhaft und bietet noch Verbesserungspotenzial. Der Betriebsrat von Hirschvogel lehnt etwa formelle Tarifverträge ab und orientiert sich bei Lohnerhöhungen stattdessen grob an branchentypischen Entwicklungen.

Landesweite Daten für Bayern zeigen, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Unternehmen ohne Betriebsrat arbeiten – kreisbezogene Zahlen liegen jedoch nicht öffentlich vor. Besonders auffällige Branchen mit Verstößen gegen die Pflicht zur Betriebsratsgründung gibt es im Landkreis Weilheim-Schongau/Garmisch-Partenkirchen derzeit nicht.

Die laufenden Wahlen machen die Kluft zwischen gesetzlichen Vorgaben und betrieblicher Realität deutlich. Zwar sind die meisten Versuche, einen Betriebsrat zu gründen, erfolgreich, doch bleiben Hürden – besonders in kleineren Betrieben oder Branchen mit hoher Personalfluktuation. Die Ergebnisse dieser Wahlen werden mitbestimmen, wie effektiv Arbeitnehmer in den kommenden Jahren mit ihren Arbeitgebern verhandeln können.

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