AfD zerrissen: Machtkampf um Russland-Kurs und "Remigrations"-Skandal spitzt sich zu
Greta KleinAfD zerrissen: Machtkampf um Russland-Kurs und "Remigrations"-Skandal spitzt sich zu
Tiefe interne Spaltungen in der AfD: Streit um Außenpolitik und Extremismusvorwürfe
Die rechtspopulistische AfD steht vor tiefgreifenden inneren Konflikten, die sich an Fragen der Außenpolitik und umstrittenen extremistischen Forderungen entzünden. Der Parteico-Vorsitzende Tino Chrupalla forderte kürzlich den Abzug der US-Truppen aus Deutschland – eine Aussage, die auf massiven Widerstand innerhalb der eigenen Reihen stieß. Der Streit legt wachsende Spannungen zwischen prorussischen Kräften und Befürwortern einer engeren Anbindung an die westlichen Verbündeten offen.
Im Zentrum der Auseinandersetzungen steht die schwankende Haltung der Partei zum umstrittenen "Remigrations"-Plan von Martin Sellner, den das Bundesverwaltungsgericht als verfassungswidrig eingestuft hat. Die internen Machtkämpfe drohen nun, die AfD zu spalten – hochrangige Mitglieder warnen vor einer möglichen Abspaltung, sollte die Führung nicht eingreifen.
Pro-US- und prorussische Flügel liefern sich Machtkampf
Die Gräben vertieften sich nach einer Rede Chrupallas in Sachsen, in der er den Abzug der amerikanischen Streitkräfte forderte. Sofortige Kritik kam von Maximilian Krah, AfD-Bundestagsabgeordneter, der betonte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Krah warnte zudem, die extremen Positionen der Partei in der Außen- und Innenpolitik hätten die politische Isolation verschärft, die ihr von anderen Parteien auferlegt werde.
Ein scharfer Kritiker des prorussischen Flügels um Björn Höcke ist der verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen. Er wirft Höckes Anhängern vor, ihn aus seinem Amt drängen zu wollen, bezeichnet sie als "Putinisten" und besteht darauf, dass Russland die größte Bedrohung für die NATO-Ostflanke darstelle. Seine Position deckt sich mit der von Hannes Gnauck, einem weiteren Sicherheitsexperten der AfD, dessen proamerikanische Pressemitteilung während der Iran-Krise von den Parteivorsitzenden Alice Weidel und Chrupalla blockiert wurde.
"Remigration" als Zündfunke – Gericht urteilt über Verfassungsbruch
Die aktuellen Turbulenzen reichen bis November 2023 zurück, als Sellner seinen "Remigrations"-Plan vor führenden AfD-Vertretern vorstellte. Anfangs distanzierte sich die Parteispitze – einschließlich Weidel – von dem Vorhaben. Doch bis April 2026 unterstützten Chrupalla und Krah die Pläne offen, was die Spaltung weiter vertiefte. Das Bundesverwaltungsgericht verurteilte das Konzept inzwischen als Verletzung der Menschenwürde und gleichstellte es einer erzwungenen Aberkennung der Staatsbürgerschaft.
Innerhalb der AfD-Bundestagsfraktion mehren sich nun Stimmen, die vor einem vollständigen Zerfall der Partei warnen, sollte Chrupallas Rhetorik ungebremst bleiben. Das zögerliche Vorgehen der Führung gegen Sellners Plan hat das Vertrauen der gemäßigteren Kräfte weiter untergraben – einige Mitglieder sollen bereits über einen Austritt nachdenken.
Droht der AfD die Spaltung vor der nächsten Wahl?
Der interne Konflikt der AfD eskaliert angesichts gegensätzlicher Visionen für Deutschlands Bündnispolitik und Innenpolitik. Mit gerichtlichen Urteilen gegen die "Remigration" und wachsendem Widerstand gegen prorussische Positionen steht die Partei unter zunehmendem Druck, klar Stellung zu beziehen. Bleiben die Konflikte ungelöst, könnten Abspaltungen oder sogar eine formelle Teilung die AfD noch vor dem nächsten Wahlkampf erschüttern.






