AfD-Erlangen zieht umstrittenes Flugblatt zurück – nach Kritik an CORRECTIV-Diffamierung
Leon SchröderAfD-Erlangen zieht umstrittenes Flugblatt zurück – nach Kritik an CORRECTIV-Diffamierung
Ein umstrittenes Flugblatt der AfD in Erlangen hat zu interner Kritik und einer rechtlichen Rücknahme geführt. Das Material, in dem eine Untersuchung des Recherchezentrums CORRECTIV zu einem rechtsextremen Treffen als "Märchen" abgetan wurde, räumte der lokale Parteivorsitzende später als schlecht recherchiert ein. Alle verbleibenden Exemplare werden nun vernichtet, nachdem eine Unterlassungserklärung unterzeichnet wurde.
Das von der Erlanger AfD verteilte Flugblatt bezeichnete den CORRECTIV-Bericht über die Potsdamer Konferenz 2023 als "CORRECTIV-Potsdam-Märchen". Falsch behauptet wurde darin auch, gerichtliche Urteile hätten die Erkenntnisse der Untersuchung widerlegt. Tatsächlich haben mehrere Rechtsverfahren die zentralen Fakten und Schlussfolgerungen von CORRECTIV bestätigt.
Robert Aust, Kreisvorsitzender der AfD in Erlangen, gestand später die Mängel des Flugblatts ein. Die Inhalte nannte er "schlecht recherchiert und schlecht formuliert" und bedauerte die Veröffentlichung. Der lokale Verband unterzeichnete daraufhin eine Unterlassungserklärung und zog die darin aufgestellten Behauptungen offiziell zurück.
Aust präzisierte zudem, dass sich die Aussage im Flugblatt – "Wären die Vorwürfe von CORRECTIV wahr, würden wir nicht für die AfD kandidieren" – lediglich auf ein hypothetisches Szenario bezog, in dem Martin Sellners konkreter "Remigrations"-Plan offiziell von der Partei übernommen worden wäre. Zwar verwendet die AfD den Begriff "Remigration" in ihrem Programm, distanziert sich aber explizit von Sellners Modell. Dennoch fordern AfD-Politiker wiederholt eine "Remigration im Millionenmaßstab", die sich auch auf deutsche Staatsbürger erstrecken könnte.
Die Kritik reiht sich in die allgemeine Reaktion der AfD auf den CORRECTIV-Bericht ein, den die Partei zunächst als mediale Übertreibung abtat. Einige Mitglieder verglichen ihn mit einem "Wannsee-Konferenz-2.0-Märchen", andere bekräftigten ihre Unterstützung für Remigrationspläne.
Der Erlanger AfD-Verband hat das Flugblatt mittlerweile vollständig zurückgezogen; alle restlichen Exemplare sollen vernichtet werden. Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Spannungen innerhalb der Partei über ihren Umgang mit rechtsextremen Ideologien und der medialen Aufarbeitung. Die gerichtliche Bestätigung der CORRECTIV-Erkenntnisse steht weiterhin im Widerspruch zu den ursprünglichen Behauptungen des Flugblatts.